FAQ

Viele unserer Gespräche drehen sich immer um die gleichen Fragen und Themen. 

Wir haben sie hier zusammengestellt. 

Ein Bürgerbegehren ist eine Möglichkeit zur direkten
Einflussnahme auf die Politik. Bürger*innen unterzeichnen eine gemeinsame
Forderung, in unserem Fall geschieht dies in Form der Unterschriftenlisten. Die
Listen werden beim Klimaentscheid-Team gesammelt. Wenn genügend Unterschriften
(in Lichtenfels ca. 980, das sind 6% der stimmberechtigten Bürger*innen)
vorhanden sind, werden diese bei der Stadt eingereicht. Die Stadtverordnetenversammlung
prüft dann, ob das Bürgerbegehren formal zulässig ist. Nachdem der Entscheid
von der Stadtverordnetenversammlung auf Zulässigkeit geprüft wurde, kann diese
unsere Ziele beschließen oder ablehnen. Lehnt sie die Ziele ab, folgt ein
Bürgerentscheid. Ein Bürgerentscheid funktioniert ähnlich wie eine
Kommunalwahl: Alle Wahlberechtigten werden für einen bestimmten Tag aufgerufen
in einem Wahllokal ihre Stimme abzugeben. Damit der Bürgerentscheid in Kraft
tritt, muss die Mehrheit der abgegebenen Stimmen für das Bürgerbegehren sein.
Außerdem muss diese Mehrheit mehr als 15% der Stimmberechtigten umfassen. Tritt
der Klimaentscheid in Kraft, wirkt er wie ein Beschluss des Gemeinderats: Er
kann innerhalb eines Jahres nur durch einen neuen Bürgerentscheid geändert
werden.

Eine Petition ist nicht rechtskräftig, sie bietet nur
ein Stimmungsbild. Ein Bürgerbegehren bzw. Bürgerentscheid hat aber fest
definierte Folgen, und bietet so die einmalige Möglichkeit, Politiker*innen zum
Handeln zu verpflichten. Wir möchten uns nicht länger mit gutgemeinten Worten
abspeisen lassen – wir fordern einen Handlungsplan und dessen konsequente Umsetzung.

Der Klimaentscheid wird von einem ehrenamtlichen Team
getragen. Finanzielle Unterstützung nutzen wir für Druckkosten der Unterschriftenlisten,
T-Shirts, Masken, Aufkleber oder Aktionen.

Alle volljährigen EU-Bürger*innen, die ihren Hauptwohnsitz seit mindestens zwei Monaten in Lichtenfels gemeldet haben, können unterschreiben.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, uns in unserem Anliegen zu unterstützen. Erzähl in deinem Freundes- und Bekanntenkreis vom Klimaentscheid oder hilf uns in der Stadt Unterschriften zu sammeln. Bei Interesse melde Dich einfach über unsere KONTAKT-Seite.

Außerdem möchten wir betonen, wie wichtig wir es finden, dass du selbst dein Bestmöglichstes dazu beiträgst, die Klimaerwärmung aufzuhalten: Du kannst zu einem Öko-Stromanbieter wechseln, deinen Fleischkonsums reduzieren, öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad nutzen, bewusst und weniger konsumieren und bei der Wahl des Urlaubsziels nach klimatischen Kriterien abwägen. Jede*r ist in der Lage, einen eigenen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten. Jeder Schritt in die richtige Richtung ist ein Erfolg.

Hinter dem Klimaentscheid steht ein buntes, engagiertes und hochmotiviertes Team aus Studierenden, Berufstätigen, Familien und Rentner*Innen. Wir sind alle der Meinung, dass das 1,5°C Ziel eingehalten werden muss und wir den Weg dorthin in Lichtenfels vorleben müssen.

Wir werden unterstützt von GERMAN ZERO.

Wir fordern, dass die Stadt Lichtenfels die Verwaltung beauftragt, innerhalb von einem Jahr nach Erfolg des Bürgerentscheids, einen konkreten und verbindlichen Maßnahmenplan zu erstellen, mit dem eine echte Klimaneutralität bis 2030 erreicht wird.

Weiter fordern wir, dass

  • der Maßnahmenplan unmittelbar danach überarbeitet und umsetzt wird.
  • dafür gesorgt wird, dass die Verwaltung die Umsetzung des Maßnahmenplans überprüft, dokumentiert und den Maßnahmenplan allen Bürger*innen barrierefrei zur Verfügung stellt.
  • der/die Bürgermeister*in jährlich über die Umsetzung des Maßnahmenplans und das Erreichen der Reduktion der CO2 Emissionen öffentlich Rechenschaft ablegt, und
  • bei allen zukünftigen Stadtratsbeschlüssen in der Beschlussvorlage die Auswirkungen für das Erreichen des Zieles Klimaneutralität bis 2030 deutlich gemacht werden müssen.

Weiteres über uns, unsere Zielen und die Klimakrise findest Du auf dieser Website, Instagram und Twitter.
Informationen zu GermanZero gibt es hier. Wer sich fragt, wie es soweit kommen konnte, dass wir in einer Krise diesen Ausmaßes stecken, dem sei „Die Klimaschmutzlobby“ von Susanne Goetze und Annika Joeres empfohlen. Weitere Inhalte zum Thema Klimawandel und nachhaltiges Leben finden sich in der ARD Mediathek.

Der Klimawandel bedroht uns alle. Deshalb müssen wir auch auf kommunaler Ebene aktiv werden. Wenn Kommunen klimaneutral werden, wird der Druck auf Bund und Länder erhöht, dies ebenfalls zu erreichen. Die bisherigen Maßnahmen in Lichtenfels reichen nicht aus, um das 1,5 °C Ziel einhalten zu können. Deswegen müssen wir das kommende Jahrzehnt noch viel intensiver nutzen, um die Erderhitzung zu begrenzen.

In einer klimaneutralen Stadt werden keine Treibhausgasemissionen mehr verursacht oder aber sie werden vollständig kompensiert. Eine Grundvoraussetzung hierfür ist eine vollständige Umstellung auf 100% erneuerbare Energien und die umfassende Absenkung des Energiebedarfs. Eine klimaneutrale Stadt sollte sich auch an den Zielsetzungen des IPCC „special report“ zum 1,5 °C Ziel orientieren. Viele Masterpläne für 100% Klimaschutz in Kommunen orientieren sich bisher am Ziel einer 95% Treibhausgasreduktion bis 2050.

Dies ist zu spät! Aktuelle Berechnungen gehen davon aus, dass unser globales CO2 Budget bereits bis 2028 aufgebraucht ist. Die 1,5 °C lassen sich so nicht erreichen, Kipppunkte werden wahrscheinlicher und damit die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Erde dauerhaft in einem Heißzustand verharrt. 

Deshalb fordern wir eine Klimaneutralität bis 2030.

Ja, die Folgen des Klimawandels werden jeden Ort dieser Welt betreffen. Schon jetzt spüren wir heißer werdende Sommer, häufigeren Starkregen und sterbende Waldböden, die die Infrastruktur und Versorgung einer Stadt bereits vor Probleme stellt. Und das sind nur die bisher schon spürbaren Folgen.
Starkregen und Bodenerosion, Dürre und Hitze werden den Anbau von Nahrungsmitteln und die Trinkwasserversorgung betreffen.

Das stimmt, das Klima auf der Erde war tatsächlich schon deutlich wärmer und auch deutlich kälter als heute. Der Unterschied ist, dass die Veränderung heute menschengemacht ist und so schnell voranschreitet, dass weder Menschen noch Tiere und Pflanzen Zeit haben, sich anzupassen.

Seid ihr euch manchmal unsicher, wenn ihr mit solchen Fragen konfrontiert werdet? Schaut mal hier.

Die früh industrialisierten Staaten sind die Hauptverursacher für den Klimawandel. Die Auswirkung spüren jedoch am meisten die Länder des globalen Südens. Diese haben auch nicht die gleichen, sondern viel geringere finanzielle Mittel zur Verfügung, um sich anzupassen oder die durch die Auswirkungen der Erderwärmung entstandene Schäden zu beheben. Ein weiterer Aspekt der Gerechtigkeit betrifft die Generationen. Die Eltern und Großeltern tragen eine Verantwortung gegenüber ihren Kindern und Enkelkindern. Handeln wir nicht und reduzieren nicht jetzt drastisch unsere CO2-Emissionen, nehmen wir den folgenden Generationen die Umweltressourcen, die sie für ein gutes Leben benötigen:

www.kirchen-fuer-klimagerechtigkeit.de
www.brot-fuer-die-welt.de/bildung/material/weltkarte-klimagerechtigkeit

Jede*r ist verantwortlich für Klimaschutz. Das Pariser Abkommen wurde von Deutschland ratifiziert, also in Kraft gesetzt durch eine Abstimmung im Bundestag. Die bisherigen Maßnahmen sind jedoch bei weitem nicht ausreichend, manche steuern sogar entgegen, betrachtet man die Entscheidungen über den „Ausstieg“ aus der Kohleverbrennung.

Gehen die Kommunen schneller voran als der Bund, sieht sich dieser auch gezwungen, mehr in Klimaschutz und Klimaneutralität zu investieren, weil er sieht, wir Bürger fordern das!

Wenn dir in Zukunft ein gutes Leben für dich, deine Familie, Freund*innen und vor allem auch für deine Kinder und Enkel am Herzen liegt, unterschreibe! Den Bürger*innen wird durch den Entscheid nicht geschadet, sondern bringt die Stadtverwaltung nur dazu Verantwortung zu übernehmen und jetzt zu handeln.

Ja, aber… 

Richtig ist, dass die Weltbevölkerung immer weiter ansteigt. Falsch ist es, dafür die stark anwachsenden Nationen wie Indien für den Klimawandel verantwortlich zu machen. Es ist ethisch falsch und auch in Anbetracht der Fakten. Während ein Mensch aus Indien ca. 2 Tonnen CO2 jährlich verbraucht, ist ein Mensch in Deutschland mit durchschnittlich 9 Tonnen dabei [1]. Zudem ist es nicht korrekt, nur den Ist-Zustand zu betrachten. Die reichen westlichen Nationen haben in den letzten Jahrzehnten die Mengen an CO2 ausgestoßen, die uns heute eine Erwärmung von 1°C bescheren. Wo liegt die Verantwortung, Dinge zu verändern?

[1] https://op.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/71b9adf3-f3dc-11ea-991b-01aa75ed71a1

Die Umwelt- und Naturverbände schlagen jedes Jahr zu einem früheren Zeitpunkt Alarm, wenn der Tag erreicht ist, an dem Deutschland beginnt „auf Pump zu leben“. Der Erdüberlastungstag wurde im Jahr 2020 für den 22. August festgelegt [1]. Bei der Berechnung wird die Fähigkeit der Erde (Biokapazität), die vom Menschen verbrauchten Ressourcen zu erneuern und Schadstoffe abzubauen (ökologischer Fußabdruck) innerhalb eines Jahres betrachtet. Kann die Erde nicht mehr nachliefern, als verbraucht wird, spricht man vom „Overshoot“[2], [3].

Es ist, als hätten wir unser Jahresgehalt, dass wir am ersten Januar ausbezahlt bekommen haben, schon am 22.08. ausgegeben und leben nun vom Rest des Jahres von Erspartem. Richtig, irgendwann ist auch das aufgebraucht!

Die Nachfrage an Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Energie überschreiten die Menge, die das Ecosystem unseres Landes innerhalb eines Jahres wiederherstellen kann. So fangen wir zum Beispiel auch den Rest des Jahres weiterhin Fische aus dem Meer, obwohl das Jahresbudget schon aufgebraucht ist. Wir bedienen uns an den Reserven für Folgejahre. Die Bestände sinken durch diese Überfischung und können sich nicht mehr regenerieren. 

Die Erde benötigt demnach 1,6 Jahre um die Ressourcen zu erneuern, die wir innerhalb eines Jahres verbrauchen. Würden alle Menschen so leben, wie in Deutschland, würde es drei Erden bedürfen, um unsere Nachfrage zu befriedigen.

[1] Zuletzt abgerufen 20.03.2021 https://www.overshootday.org/2020-calculation/

[2] Zuletzt abgerufen 20.03.2021 https://www.footprintnetwork.org/our-work/ecological-footprint/

[3] Zuletzt abgerufen 20.03.2021 https://utopia.de/ratgeber/earth-overshoot-day/2

Das ist nicht richtig. Das US-Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center hat Menschen aus 20 Ländern befragt. 63% der Deutschen sind der Meinung, dass ihre Regierung zu wenig unternimmt, um die Wirkung des Klimawandels zu vermindern [1], [2]. In einer weiteren Umfrage antworteten 69% der Deutschen mit der Klimakrise als größte Bedrohung für ihr Land – noch vor der Gefahr der Verbreitung von Infektionskrankheiten. In Frankreich, Spanien und Italien liegen die Werte über 80% [3].

Außerdem sind wir der Meinung, dass eine Priorisierung stattfindet. Auch durch die anstehende Bundestagswahl wird die Diskussion über die Klimakrise weiter in die gesellschaftliche Mitte vordringen. Hier ist die Nennung der Folgen durch die Klimakrise von großer Bedeutung. Hat der Mensch diese erkannt und vor allem auch angenommen, sieht man die wichtigen Dinge im Leben klar vor sich und Veränderungen sind leichter möglich.

[1] https://taz.de/Klima-statt-Wirtschaft/!5715857/, zuletzt abgerufen 01.04.21

[2] Kapitel 3, https://www.pewresearch.org/science/wp-content/uploads/sites/16/2020/09/PS_2020.09.29_global-science_REPORT.pdf, zuletzt abgerufen 01.04.21

[3] https://pewrsr.ch/3j6WWi9, zuletzt abgerufen 01.04.21